10 Juni 2024

Die wachsende Welle von Geschlechtskrankheiten in Europa: ein dringender Aufruf zum Handeln

In den letzten Jahren hat die Zahl der sexuell übertragbaren Krankheiten (STD) in Europa in alarmierender Weise zugenommen. Obwohl es keine eindeutige Ursache für diesen Anstieg gibt, gibt es mehrere Theorien und - was noch wichtiger ist - Versuche, diesen Trend durch eine verstärkte Konzentration auf die Prävention und die Ausbildung von Fachkräften im Gesundheitswesen umzukehren. Die Sensoa-Expertinnen Veerle Doossche und Svenja Vergauwen geben einen Einblick in diese besorgniserregende Entwicklung.

Enträtselung der steigenden STD-Raten

Es gibt keine einheitliche Erklärung für den Anstieg der Geschlechtskrankheiten, aber einige Hypothesen werden breit diskutiert. Veerle Doossche, eine auf HIV und sexuell übertragbare Krankheiten spezialisierte Referentin, weist darauf hin, dass die wichtigsten sexuell übertragbaren Krankheiten wie Chlamydien, Gonorrhöe und Syphilis einen bemerkenswerten Anstieg verzeichnen. Dieser Anstieg kann zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass sich immer mehr Menschen testen lassen, was zu mehr diagnostizierten Fällen führt. Dies ist jedoch keine vollständige Erklärung für die Zunahme der Infektionen. Doossche verweist auf veränderte Trends im Sexualverhalten, die durch die Zunahme von Dating-Apps und die geringere Angst vor HIV beeinflusst werden, was zu einer geringeren Verwendung von Kondomen geführt hat.

Rolle von Abriegelungen und verändertem Sexualverhalten

Die Pandemie und die damit verbundenen Abriegelungen haben möglicherweise dazu beigetragen, dass Präventionsbotschaften nur unzureichend vermittelt wurden, insbesondere bei jüngeren Heterosexuellen. Die abnehmende Angst vor HIV, das nun als chronische Krankheit beherrschbar ist, und die zunehmende Nutzung der PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) unter Männern, die Sex mit Männern haben, haben möglicherweise zu einer geringeren konsequenten Nutzung von Kondomen geführt. Dies sind besorgniserregende Trends, denn PrEP schützt nicht vor anderen STIs als HIV.

Präventionsstrategien und die Bedeutung der Aufklärung

Die Prävention ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung im Kampf gegen Geschlechtskrankheiten. Doossche betont, wie wichtig es ist, Kondome zu benutzen, beide Partner in einer neuen monogamen Beziehung testen zu lassen und nach unsicheren sexuellen Kontakten zu testen. Moderne Hilfsmittel wie das Partner-Alarm-System und Online-Selbsttests spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung und raschen Behandlung von STDs.

Das Gespräch über die sexuelle Gesundheit beginnen

Wie Svenja Vergauwen hervorhebt, ist es wichtig, Gespräche über sexuelle Gesundheit zu beginnen. Sie verweist auf Instrumente wie das interaktive Beratungsinstrument des Health Knowledge Centre und die von Sensoa entwickelte Methode „In private“, die Gesundheitsdienstleister dabei unterstützen, dieses Thema diskutierbar zu machen. Dies ist nicht nur für Hausärzte, sondern für alle Anbieter von Primärversorgung von entscheidender Bedeutung.

Schlussfolgerung

Der Kampf gegen sexuell übertragbare Krankheiten in Europa erfordert koordinierte Anstrengungen, die sich auf Aufklärung, Prävention und offene Kommunikation konzentrieren. Zwar werden Fachleute und die breite Öffentlichkeit ständig mit den neuesten wissenschaftlichen Informationen versorgt, doch die kollektive Verantwortung der Gesellschaft für die Bewältigung dieser Gesundheitskrise ist unbestreitbar. Es ist an der Zeit zu handeln und die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten durch eine stärkere Sensibilisierung und Präventionsmaßnahmen einzudämmen.

Quelle: Sensoa